21.05.2017 Westfalenhalle Dortmund

Der Bericht meines allerersten Konzertes, das sich in jeder Hinsicht mehr als gelohnt hat!

Aber fangen wir ganz von vorn an. Da ich sehr gerne die Musik h├Âre und mir die Kellys auch mehr als symphatisch sind, stand f├╝r mich fest, dass ich einmal im Leben ein Live-Konzert besuchen wollte. Und welches bietet sich daf├╝r besser an, als das Comeback-Konzert? Anfangs war ich noch sehr z├Âgerlich, da ich nie zuvor auf einem Konzert gewesen bin und nicht wusste, ob ich es wirklich machen wollte, deswegen habe ich mich nicht getraut, ein Ticket zu bestellen. Der Verkauf war gestartet und ehe man sich´s versah, waren der Freitag und der Samstag ruck zuck ausverkauft, die Tickets gingen weg wie warme Semmeln. Innerhalb von nur zwanzig Minuten waren alle Pl├Ątze der Dortmunder Westfalenhalle belegt und wenn man bedenkt, dass dort ├╝ber 15000 Menschen hineinpassen, ist das schon ein rasantes Tempo. Zu dem Zeitpunkt waren zwei Konzerte angek├╝ndigt und ein wenig bedr├╝ckt war ich schon, denn die Chance ein Ticket zu kaufen, h├Ątte ich gehabt. Ich dachte schon, das w├Ąre es gewesen, aber dann wurde der Sonntag ├╝berraschend als dritter Konzerttag hinzugenommen. Wieder sa├č ich vor dem Laptop und habe mit mir gerungen: Mache ich es oder mache ich es nicht? Ja, ich bin immer ein Angsthase, wenn es um sowas geht. Die Tickets verschwanden erneut im Nu, man konnte f├Ârmlich dabei zusehen und schlie├člich habe ich mich doch ├╝berwunden. Jetzt oder nie hie├č die Devise und ich h├Ątte es garantiert bereut, wenn ich kein Ticket gekauft h├Ątte, also habe ich zugegriffen. Zwei Tickets f├╝r Sonntag den 21. Mai im Wert von 67,50€. Mittels eines Saalplans konnte man einen Sitzplatz w├Ąhlen und obwohl ich keine Ahnung hatte, wie das Innenleben der Halle aussah und welche Sicht man von den Pl├Ątzen aus haben w├╝rde, habe ich mir welche ganz oben am Rand gesichert. Aufgang M Block 214 links, Reihe 19 Platz 54 um ganz genau zu sein.

So weit, so gut. Das Konzert r├╝ckte immer n├Ąher, ich habe mich darauf gefreut und per Facebook und der Homepage hier eine Begleitperson gesucht. Aus meinem Freundeskreis war leider niemand richtig Fan, f├╝r den Notfall hatte sich mein Bruder angeboten, aber da er die Kellys kaum kennt und mit der Musik nicht sooo viel anfangen kann, w├Ąre das nicht das Wahre gewesen. Ich wollte mit jemandem auf das Konzert gehen, der genauso begeistert ist, wie ich. Die Tage verstrichen, niemand hatte sich gemeldet und drei Tage vor dem Konzert wurde ich dann doch etwas nerv├Âs. Per Tipp habe ich mich in einem Forum registriert, um eine Suchanzeige aufzugeben und ihr glaubt nicht, wie erleichert ich war, als sich endlich jemand gemeldet hat. Es war sp├Ąt in der Nacht und pl├Âtzlich blinkte die Nachrichtenanzeige des Postfachs auf. Die liebe Esther hatte gefragt, ob das mein Ernst sei, dass ich das zweite Ticket quasi verschenke, nur um eine Begleitung zu haben. Ja, das war mein voller Ernst, denn ich war mehr als verzweifelt und stand schon kurz davor, die Tickets wieder zu verkaufen und nicht zum Konzert zu gehen. Und das alles nur, weil ich so eine Schissbuchse bin, stellt euch das mal vor. Im Nachhinein bin ich mehr als froh, es nicht getan zu haben, denn ich h├Ątte etwas wirklich Gro├čartiges verpasst.

Aber weiter im Text. Esther und ich waren beide hellauf begeistert, haben uns gegenseitig mit Dankesbekundungen bombadiert und per WhatsApp miteinander geschrieben. Sie w├╝rde mit dem Zug anreisen, ich mit dem Auto meines Bruders. An der Stelle ein Dank an ihn f├╝r das Ausleihen seines Vehikels, mit dem man weitaus besser ├╝ber die Autobahnen kommt, als mit meinem kleinen Kia, der Auspuffprobleme und wenig PS hat. Au├čerdem war mir der schwarze Skoda von ihm schon ├Âfter ein treuer Gef├Ąhrte auf langen Reisen wie z.B. der dreimaligen Fahrt zur Elfia nach Holland. Die letzten beiden Tage vor dem Konzert war ich noch gar nicht aufgeregt, aber zwei Stunden vor Abfahrt ging mir dann doch ganz sch├Ân die D├╝se. Atmung beruhigen, Luft zufecheln, zitternde Finger unter Kontrolle bekommen und einreden, dass alles gut wird. Es war auch das erste Mal, dass ich alleine ├╝ber die Autobahn musste, sonst hatte ich immer meinen Bruder oder meine beste Freundin als Begleitperson dabei. Letztere hat einen saum├Ą├čig guten Orientierungssinn und ist die anst├Ąndigere Fahrerin von uns beiden, weshalb sie es ist, die mich immer auf meine zu schnelle Geschwindigkeit aufmerksam macht oder mir hilft, wenn ich v├Âllig planlos durch die Gegend fahre. Diesmal hie├č es alleine klarkommen, nicht auf andere verlassen.

Wie das nunmal so ist, macht man sich vorher immer viel zu viele Gedanken und es war nichtmal ansatzweise schlimm. Auf der Autobahn lief alles glatt, ich hatte sch├Ân freie Fahrt, bin auf der linken Spur h├╝bsch an allen vorbeigezogen und was vor mir zu langsam fuhr, hat nach einem nerv├Âsen Blick in den R├╝ckspiegel von selbst Platz gemacht. Ist ein gutes Gef├╝hl, ein schnelles Auto unter dem Hintern zu haben kann ich euch sagen. Aufgeregt war ich nur in Dortmund selber, weil ich Bammel hatte, durch die Innenstadt zu m├╝ssen oder keinen Parkplatz zu finden. H├Ątte ich gar nicht sein m├╝ssen, von der Autobahn ging es auf direktem Wege zu den Parkpl├Ątzen, wo Ordner in Warnwesten standen, die einem sogar einen Platz zugewiesen haben. ├ťberaus freundlich und erleichternd, wenn man das erste Mal dort ist. Mit dem Parken (5€ Parkgeb├╝hr ├╝brigens) verflog die Aufregung sofort, ich konnte erstmal durchatmen, habe die Autot├╝r aufgemacht, die Beine raush├Ąngen lassen und mein Handy auf Nachrichten gepr├╝ft. Esther hatte noch nicht geschrieben und gerade als ich ├╝berlegt habe, wie ich am besten zur Halle komme, hatte ich wieder Gl├╝ck. Eine Konzertg├Ąngerin fragte den Ordnungsh├╝ter hinter mir gerade das Selbe, also bin ich ihr nach mitgeh├Ârter Antwort heimlich still und leise gefolgt. PET-Flaschen waren in der Halle aus Sicherheitstechnischen Gr├╝nden leider nicht erlaubt, meine kleine Wasserflasche musste demnach im Handschuhfach auf mich warten.

An der Halle angekommen bot sich mir dann das Bild einer ganz sch├Ân gro├čen Masse an Menschen. Viele haben vor dem Halleneingang campiert, um sich im Stehbereich direkt an der B├╝hne die besten Pl├Ątze zu sichern, am Ausgang der U-Bahn str├Âmten auch Menschen heraus und vor den seitlichen Eingangst├╝ren, sowie der Toilette und einem Currywurststand hatten sich auch schon Schlangen gebildet. Esther sa├č noch in der U-Bahn, deshalb habe ich mich zwischenzeitlich erstmal etwas umgesehen. Es war eine bunte Mischung aus Jung und Alt, die sich hier eingefunden hatte, zwei oder drei Schwarze liefen mit Bierf├Ąssern auf dem R├╝cken durch die Menge und riefen "Bier jemand?", was zugegebenerma├čen erst schwer zu verstehen war. Ein Anderer lief mit einem mobilen Snackstand vor dem Bauch herum und bot den Wartenden Laugenbrezeln oder ├╝berbackene K├Ąsestangen an. Um die nicht erlaubten PET-Flaschen quit zu werden, war ein Einkaufswagen aufgestellt worden, wo man sie einfach hineinwerfen konnte.

 

Zehn Minuten sp├Ąter kam eine Nachricht von Esther. Sie w├╝rde gleich ankommen und wir k├Ânnten uns am U-Bahn-Ausgang treffen. Lange suchen musste ich nicht, denn als ich noch nach ihr Ausschau gehalten habe, hatte sie mich l├Ąngst gefunden. Nach einer Begr├╝├čung und nochmaligen gegenseitigen Dankbarkeitsbekundungen haben wir uns auf den Weg zu den Halleneing├Ąngen gemacht. Dort stand der als Fotomotiv sehr beliebte alte Doppeldeckerbus der Kellys, vor dem wir nat├╝rlich auch einige Bilder gemacht haben. Kurz darauf hat sich eine Bekannte von Esther dazu gesellt, im Gep├Ąck eine Gitarre, mit der sie der Menge die Wartezeit versch├Ânert hat. Mit einer wirklich tollen Stimme hat sie einige Kelly-Songs zum besten gegeben und die Menschen rundherum haben mitgeklatscht und mitgesungen. Vielleicht schaffe ich es, die Videos von ihr hier hochzuladen, wenn mein Internet es zul├Ąsst.


Als schlie├člich die T├╝ren ge├Âffnet wurden, zog es die Masse in die Westfalenhalle hinein. Ticket vorzeigen, Abscannen lassen, einmal kurz einen Blick in die Tasche werfen lassen und man durfte ins Innere. Zwischen den herumwuselnden Mitmenschen um uns herum folgte ich Esther durch einen langen Gang wie Harry es bei seinem ersten Besuch in der Winkelgassen damals bei Hagrid tat. Meine Blicke flogen kreuz und quer, um alles einzufangen, links von uns konnte man Getr├Ąnke kaufen, auf der rechten Seite Merchandise, weiter hinten Popcorn, Brezeln oder Nachos. Ich glaube ich muss wirklich ausgesehen haben wie ein kleines Kind, das mit staunenden Augen der Gr├Â├čeren hinterhertrottet und unabl├Ąssig den Kopf dreht, um auch ja alles sehen zu k├Ânnen. An den St├Ąnden und Trib├╝nenaufg├Ąngen vorbei gingen wir durch den Gang, um unseren eigenen Aufgang nach oben zu finden, denn dieser war mit einer Nummer gekennzeichnet: 214. ├ťber zwei Treppen (oder waren es drei? Ich wei├č es nicht mehr) sind wir zwei Etagen nach oben gestiegen und dann ging es durch eine schwerere T├╝r hinein in den gro├čen Saal. Die B├╝hne hatte ich mir weiter entfernt vorgestellt, aber sie war viel n├Ąher dran, als ich dachte. Generell wirkt die Halle von Innen viel gr├Â├čer, als sie tats├Ąchlich ist, man hat eine wunderbare Sicht, selbst wenn man so wie wir ganz oben in der Wandreihe sitzt. Da wir noch ein St├╝ndchen Zeit hatten, sind wir noch auf die Toilette gegangen, haben Fotos von dem Sall gemacht und uns etwas zu Trinken geholt. An dem Stand, an dem wir anstanden war allerdings gerade irgendetwas ausgefallen, einer Dame war es aufgefallen, weil ihr Wasser ungek├╝hlt und ohne Kohlens├Ąure war. Kann passieren, ab zum anderen Stand, wo ich mir einen Becher Cola f├╝r f├╝nf Euro geholt habe. F├╝nf. Euro. Das fand ich schon etwas happig, aber gut, die Leute wollen nat├╝rlich etwas verdienen, das verstehe ich auch. Trotzdem....mein armer Geldbeutel. Den Becher durfte man sich aussuchen und gegen 2€ Pfand mitnehmen. Aber er war so sch├Ân und mit einem tollen Motiv darauf, da war von vorneherein klar, dass ich ihn nicht wieder abgeben w├╝rde, was neben mir die Meisten nicht getan haben.
 


Zur├╝ck im Saal haben wir noch zwanzig Minuten gewartet, die Pl├Ątze f├╝llten sich langsam und wir haben vor Konzertbeginn noch fix unsere Pl├Ątze getauscht, da Esther um einiges gr├Â├čer ist, als ich. Und dann ja, dann ging es endlich los. Die Scheinwerfer sind angesprungen, die B├╝hne wurde beleuchtet und unter Jubel und Begeisterung kamen die Kellys unter uns. Angefangen hat es mit Jimmys "I can´t stop the love", genau wie damals beim ersten Auftritt in der Westfalenhalle. drums

Hier ein Zuschauervideo von "An Angel".


 

Die Reihenfolge aller Lieder wei├č ich nicht mehr, aber mit dabei waren auf jeden Fall folgende:

- I Can't Stop The Love
- Why Why Why
- First Time
- An Angel                              
- Imagine                
 (Gr├╝ne und wei├če Luftballons regneten von der Decke)
- Come back to me
- Red Shoes
- When the boys come into town
- No Lies
- Drum Solo von Angelo
 (Er ist mitsamt Schlagzeug in die Luft gehoben worden)
- Loch Lomond
 (Ein Instrumental von Paul)
- When I Was In Town
 (Da hatte ich unerkl├Ąrlicherweise das erste Mal an diesem Abend Tr├Ąnen in den Augen)
- Hecho La Runda
- The Wolf (Mit Feuerfont├Ąnen)
- Une Famille C'est Une Chanson
- Swing Low
- Na Na Na
 (Da wollte das Publikum gar nicht aufh├Âren mitzusingen)
- Keep On Singing
- Father's Nose
- Please Don't Go
- Fell In Love With An Alien
- I Can't Help Myself
- Cover The Road
- We Got Love
- Only Our Rivers Run Free
- Wearing Of The Green (Gr├╝nes Konfetti wurde von der B├╝hne geschossen)
- Who'll Come With Me (Letztes Lied vor der Zugabe)(John ist bei den Bildern seines Vaters auf die Knie gegangen und hat die Hand nach ihm ausgestreckt, da konnte ich nur mit M├╝he die Tr├Ąnen zur├╝ckhalten)
- Good Neighbour (Zugabe)
- Take My Hand
- Brothers And Sisters (Patricia hatte sichtbar Tr├Ąnen in den Augen und ich auch, als ich es gesehen habe)

Unter tosendem Beifall und Standing Ovations war das Konzert gegen halb zehn zuende, es war wirklich gro├čartig, die Stimmung war super, das Ende sentimental. Patricia hatte die ganze Zeit ├╝ber Tr├Ąnen in den Augen, zusammen mit den Gastmusikern haben sich alle verneigt. Joey hat drei kleine Kinder, die vor der B├╝hne standen, auf selbige gehoben und ein Foto mit ihnen gemacht. Im Hinausgehen hat er sich ein Schild aus dem Publikum geholt, auf dem gro├č "Danke" stand und es immer wieder deutlich und f├╝r alle sichtbar hochgehalten, denn das war etwas, was beide Seiten versp├╝rt haben, sowohl das Publikum, als auch die Kellys selbst: Riesengro├če Dankbarkeit f├╝r alles. Auch Jimmy hat es im Hinausgehen stetig in die Menschenmengen gerufen, w├Ąhrend er als letzter die B├╝hne verlassen hat. Die Kellys waren zwar schon gegangen, aber der Applaus hielt trotzdem noch lange an. Es war ein wirklich wundersch├Ânes Konzert und ein unvergesslicher Abend. Einzelheiten des Konzerts werde ich nach und nach einf├╝gen, das ist erstmal das, was ich im Augenblick noch zusammen bringe.



Zusammen mit den anderen Besuchern haben wir dann die Halle verlassen und uns auf den Weg nach Drau├čen gemacht, wo ich mich von Esther verabschiedet habe. (Noch einmal ganz ganz lieben Dank, dass du mitgekommen bist, falls du das Lesen solltest! F├╝hl dich gedr├╝ckt! ­čĺĽ) Sie ist die Treppen runter zur U-Bahn gegangen und ich zur├╝ck zu den Parkpl├Ątzen. Mein Plan war es eigentlich, den Motor anzuschmei├čen und loszud├╝sen, aber wie man sich denken kann, hatten alle anderen das gleiche vor. 15000 Menschen, die alle auf einmal abreisen. Oh Heimat... Ich kam nichtmal aus der Parkl├╝cke heraus oder konnte zur├╝cksetzen, weil hinter mir die Warteschlange stand, deshalb habe ich den Motor ausgelassen und gewartet, bis ich raus konnte. Nach zwanzig Minuten hatte sich die Lage ein wenig beruhigt, sodass ich r├╝ckw├Ąrts aus der Parkl├╝cke konnte und netterweise von einem anderen Fahrer in die Autokaravane gelassen wurde. Bis zur Autobahnauffahrt hat es sich noch gestaut, ab dort hatte ich zum Gl├╝ck freie Fahrt und ab ging es mit Mopsgeschwindigkeit nach Hause. Mit ein bisschen Kopfschmerzen (die Luft in der Halle war ziemlich stickig und ich habe glaube ich auch zu wenig gegessen und getrunken) habe ich noch alle Bilder vom Handy auf den Laptop gezogen und bin danach m├╝de ins Bett gefallen.

Was bin ich froh, dabei gewesen zu sein, ich glaube nicht, dass dieses Konzert noch getoppt werden kann und denke, es wird daher auch mein letztes gewesen sein. Die Kellys waren die Einzigen, die ich einmal im Leben live sehen wollte und ich freue mich unglaublich, dass dieser Wunsch in Erf├╝llung gegangen ist.

 

                                                                        

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