Ein etwas anderer Conbericht.


Ich habe ein paar Tage darüber nachgedacht, ob ich diesen Bericht schreibe oder nicht und bin nun zu dem Schluss gekommen, euch auch einen Eindruck davon zu vermitteln, wie die vierte und letzte HobbitCon für mich verlaufen ist. Da ich zu bisher jeder besuchten Veranstaltung einen Bericht geschrieben habe, fände ich es falsch, euch diesen hier vorzuenthalten, auch wenn ich kaum etwas von der Con mitbekommen habe.

Angefangen hat eigentlich alles hervorragend, der Koffer war schon zwei Tage vorher fertig gepackt, alle Photoshoots mit den Schauspielern im Terminplan rot markiert und das mitzunehmende Essen bereits ausgewählt. Anstatt den ersten Con-Tag als Anreise-Tag zu nutzen wie in den vorherigen beiden Jahren, habe ich mein Hotelzimmer diesmal einen Tag früher gebucht und bin dementsprechend schon einen Tag früher -am Donnnerstag- angereist. Mein Bruder hat sich dazu bereit erklärt, mich hinzufahren, da er auch mal das Hotel sehen wollte, also sind wir am Donnerstagmorgen um halb zehn Richtung Bonn aufgebrochen. Bis auf einen ca. zwanzigminüten Stau sind wir gut durchgekommen, selbst an einer Stelle von der ich dachte, dass wir uns garantiert wieder verfahren, sind wir diesmal richtig abgebogen. Im Hotel mussten wir eine halbe Stunde warten, weil mein Zimmer noch bewohnt war und erst sauber gemacht werden musste und dann kam nochmal rund eine Stunde Extrawartezeit hinzu. Weiß der Geier warum. Vermutlich hat der Hotelgast eine Weile gebraucht, um das Feld zu räumen. Nach den ersten zwanzig Minuten ist die liebe Judith im Hotel eingetroffen, sodass ich dann nicht mehr allein im Eingangsbereich herumsitzen musste. Mein Bruder ist gefahren, kurze Zeit später konnte ich dann endlich mit den hübschen gläsernen Fahrstühlen nach oben fahren und meine Koffer ins Zimmer wuchten. (Musste leider zweimal gehen, um alles hochzubringen, diesmal war es etwas viel Gepäck *räusper* Naja gut, Kostüme brauchen oft viel Platz.)

Mein Zuhause für dieses Wochenende war Zimmer 211 und diese Nummer wird mir wohl nicht so schnell aus dem Kopf gehen. Da es gerade erst 13 Uhr war, habe ich mir die Zeit mit dem Ausräumen der Getränke und der Fressalien vertrieben, danach war nur noch Langeweile angesagt. Von 13.30 Uhr bis 19.30 Uhr habe ich gelesen, Musik gehört, aus dem Fenster geschaut, von dem Wecker auf die Wand gestarrt und bin im Zimmer auf und ab gegangen. Gemeldet hat sich in der Zeit keiner, von der Zimmerpartnerin, die mir beim Check-In angekündigt wurde, habe ich nie etwas gesehen. Da ich mir Gesellschaft erhofft hatte, war ich zugegebenermaßen ziemlich enttäuscht, so ganz allein verfällt man doch in einen leichten Depri-Modus. Später am Abend kann endlich eine Nachricht von einer Freundin, die so nett war, mir mein Conticket auszudrucken und mitzubringen, da unser Drucker kurz vor der Con den Geist aufgegeben hat. Auf dem Zimmer, dass sie sich mit zwei anderen Mädels geteilt hat, kam es noch zu einer kleinen Plauderrunde und so hatte der Tag doch noch ein schönes Ende. (Falls ihr das lest: Danke nochmal, dass ich dabei sein durfte, hat mir wirklich Spaß gemacht!)

Am nächsten Morgen bin ich extra früh aufgestanden, habe mich fertig gemacht, einen Müsliriegel und eine Banane gefrühstückt und bin runter zum Con-Gelände gegangen, um mein Goldticket abzuholen. Da die Contruppe der vorherigen Jahre noch nicht dort war, habe ich mich erstmal allein bei den Händlerräumen umgesehen und erstaunlich wenig gekauft. Genau genommen nur zwei Dinge, nämlich eine hübsche Pauamuschel aus Neuseeland, die ich schon immer mal haben wollte und einen Print von Lightning-Cosplay, den sie mir zu meiner Freude signiert hat. Bilder davon poste ich euch mal unter dem Textblock hier.




Am Stand der genannten Cosplayerin bin ich dann endlich auf meinen Contrupp gestoßen, von dem ich gedacht habe, dass er mich mitnimmt. Pustekuchen. Man grüßte, zog ohne mich weiter, ging ein zweites und schließlich auch noch ein drittes Mal ohne ein Wort an mir vorbei. Ich kam mir vor, wie bestellt und nicht abgeholt, schlichtweg ignoriert oder nicht erwünscht. Im Nachhinein denke ich, dass ich für die anderen Congäste wohl ziemlich bescheuert ausgesehen haben muss, wie ich einerseits hoffend, andererseits enttäuscht wie ein Mauerblümchen an der Wand stand und abwesend in der Weltgeschichte herumgestarrt habe. Zwischendurch habe ich immer wieder auf mein Handy geschaut, um so zu tun, als warte ich auf jemanden, was natürlich überflüssig war. Ich wusste ja, dass keiner kommen würde. Nach einer Viertelstunde habe ich das Handtuch geworfen und bin ziemlich gedrückt auf mein Zimmer zurückgegangen und ab jetzt wird der Bericht ein wenig schwammig. Von dem Zeitpunkt an kann ich mich nicht mehr hundertprozentig an alles erinnern, das ganze Rekonstruieren fällt mir schwer, weil ich wie benebelt war.

Nicht lange, nachdem ich zurück auf´s Zimmer bin, ist mir schlecht geworden - und wie! Von 11.30 Uhr am Freitagmittag bis 2 Uhr am Samstagmorgen habe ich mich durchgehend übergeben. Dreiunddreißig Mal und nein, das ist nicht übertrieben oder gelogen, ich habe nichtmal von Anfang an mit dem Zählen begonnen, sondern erst, nachdem ich schon ein paar Mal auf die Toilette gelaufen bin und per Handy meiner Mutter bescheid gegeben habe. Ich bin saufroh, dass ich in dieser Nacht mein Handy hatte, ich weiß nicht, was ich ohne das Ding gemacht hätte. Aufstehen und Sitzen konnte ich nicht, denn sonst hätte ich mich direkt übergeben müssen, Liegen ging auch nur für knappe zehn Minuten gut, bis ich mich wieder zur Kloschlüssel geschleppt habe.

Ich gebe das nun mal alles datenmäßig und chronologisch wieder, da ich mich kaum an etwas erinnern kann und vollkommen auf Facebook angewiesen bin:

Laut Facebook habe ich um 12:25 Uhr Judith angeschrieben und gefragt, ob sie irgendetwas gegen Übelkeit dabei hat, allerdings war das Netz im Maritim-Hotel wohl arg überlastet und wir hatten zwischendurch kaum Empfang zum Senden oder Lesen der Nachrichten. Um 14:27 Uhr habe ich gesagt, ich lasse mich von meinem Bruder abholen, falls es bis zum Abend nicht besser wird. Um 17.37 Uhr habe ich mich schon 20 Mal übergeben gehabt, ein Gang zur Apotheke oder Rezeption des Hotels ging nicht, aus oben genanntem Grund. Um 18.46 Uhr waren es 23 Mal, 19:02 Uhr 24 Mal, telefonieren ging genauso wenig. Zur gleichen Zeit hat die liebe Judith vorgeschlagen, einen Krankenwagen zu rufen. Ein Angebot, das ich besser angenommen hätte, aber ich dachte, es wird alles besser und habe es ausgeschlagen. Ich glaube, ich habe gedacht, wie man denn nur auf die Idee kommen könnte, einen Krankenwagen zu rufen, weil ich das gar nicht in Betracht gezogen habe und mir alles nur halb so schlimm vorkam. Mein Bruder und meine Mutter haben mir geschrieben, dass sie mich sofort abholen könnten, aber auch das ging nicht, da ich ja nicht sitzen konnte und ihm das ganze Auto vollgekübelt hätte. Musste also erst warten, bis es besser wird.

Um 19:43 Uhr habe ich Judith geschrieben, dass ich glaube, doch Hilfe zu brauchen, weil ich ich die ganze Zeit gezittert habe wie verrückt und alles Getrunkene sofort erbrochen habe. Zwischendurch hatte ich versucht, mir einen Apfel runterzuwürgen, der Versuch ist auch nach Hinten losgegangen. Um 20:02 Uhr war ich dann nochmal optimistisch mit der Nachricht, es würde vielleicht doch gleich aufhören, als Antwort kam, dass es das nicht tun würde und die liebe Judith hatte natürlich recht. Es hat nicht aufgehört. Bis 1 Uhr ging der Kotz-Marathton ununterbrochen weiter, erst dann habe ich meine Zimmernummer weitergegeben und Judith, die Gott sei Dank noch wach war, ist zu mir gekommen. Ab da endet der Facebook-Chat und ich kann mich nur bruchstückhaft erinnern.

Erst kamen irgendwelche Sanitäter innerhalb des Maritim-Gebäudes und dann ein Krankenwagen. Was genau gemacht wurde, weiß ich nicht mehr, aber ich glaube der Blutzucker wurde gemessen, der Puls kontrolliert und all sowas. Ich habe mir die ganze Zeit über das Kissen über das Gesicht gezogen, weil ich dezent im Eimer war. Das Zittern kam vom Hyperventilieren, auch das Kribbeln in den Händen und die steifen Finger. Eigentlich muss das ganz witzig ausgesehen haben, ich kann mich erinnern, die Finger nur in Peace-ähnlicher Haltung ausstrecken zu können. Jetzt kann ich darüber lachen, aber in dem Moment war mir alles andere als zum Lachen zumute. Ich habe mich noch sie so elend gefühlt wie in diesem Moment und kann gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass Judith da war ♥ Als die Sanitäter kamen hatte ich solche Angst, mir ging (entschuldigung für meine Ausdrucksweise) der Arsch auf Grundeis. Vielleicht war nicht nur das Hyperventilieren der Grund für das Zittern...

Jedenfalls hatte ich durch das ganze Erbrechen (glaube ich) viel Flüssigkeit verloren und war dehydriert. Einschlafen konnte ich auf keinen Fall, denn ich hatte das Gefühl, mein Herz rast wie verrückt und irgendein anderes Gefühl hat mich zusätzlich wachgehalten. Es kam mir vor, wie Adrenalin oder starke Angst, das war es jedoch nicht. Es war eine Überdosis Koffein, zwischen Frühstück und Mittagszeit hatte ich einige Dosen Energiedrinks in mich reingekippt.

Da die Sanitäter mir vor Ort keine Medikamente geben durften, konnte ich wählen, ob ich ins Krankenhaus oder auf einen Arzt warten wollte, der Nachtdienst (?) hat. Entschieden habe ich mich für letzteres, was ich im Nachhinein bereue. Der Arzt kam erst gegen 4 Uhr, so lange mussten wir auf ihn warten und ich da ohnehin schon nicht mehr konnte und wollte, wurde das ein bisschen zur Tortur. Brechen, Liegen, Brechen, Zittern, Sitzen, sich unterhalten, Klagen, Jammern, Stöhnen, Liegen, sich zum wiederholten Male durch die Haare fahren und dann endlich ist der Arzt eingetrudelt. Ganz gemütlich, wie es seine ganze Art war. Die arme Judith hat bis 5 Uhr am Samstagmorgen mit mir im Zimmer gesessen und gewartet, bis der Arzt gegangen ist, obwohl sie früh raus musste und letztendlich waren es nur zwei Stunden Schlaf. Das tat und tut mir immer noch unglaublich Leid, aber gleichzeitig bin ich auch mehr als dankbar, dass sie für mich da war. Falls du das liest Judith, dann fühl dich gedrückt, geherzt, geknuddelt und mit so viel Liebe und Dankbarkeit überschüttet, dass du sie nicht mehr zählen kannst. So oft bedanken, wie ich es müsste, kann ich mich gar nicht. Und wiedergutmachen sowieso nicht.

Am Ende gab es Medikamente und einen vom Hotel gespendeten Kamillentee - ein Dank dafür ans Maritim! Es war eine Mischung aus Ärger, Aufregung und Koffein, die all das verursacht hat. Auf dem Zettel vom Arzt steht Gastritis (Magenschleimhautentzündung), aber ich weiß wirklich genau, dass es das nicht war. Irgendwas muss vermutlich einfach auf diesem Zettel stehen und wenn man nicht weiß, was es sonst sein könnte, dann kann es von mir auch aus mit Gastritis vom Tisch geräumt werden. Ist mir ohnehin egal gewesen, ich wollte einfach nur noch schlafen und mich ausruhen.

Am nächsten Morgen -dem Samstag- ging es mir zumindest wieder soweit besser, dass ich meinem Bruder und meiner Mutter Bescheid geben konnte, mich abzuholen. Das Sitzen klappte einigermaßen und Stau gab es auf der Rückfahrt auch keinen, sodass ich nicht länger im Auto hocken musste als nötig. Bis Dienstagabend habe ich nur Zuhause im Bett gelegen, Tee getrunken, Salzbrezeln geknabbert und geschlafen. Mittwoch war mein Urlaub zuende und den ersten Arbeitstag habe ich mich mit Kreislaufproblemen so gerade eben bewältigt bekommen. Durch das ganze Erbrechen habe ich 4kg verloren, sodass die Waage nur noch 49kg angezeigt hat, bestimte Getränke oder Genussmittel wie Cola, Energiedrinks und meine eigentlichen Lieblingskekse kann ich jetzt nicht mehr trinken/essen, ohne dass sich der Hals wie eingeschnürt anfühlt. Toller Urlaub war das.

Mein Goldticket habe ich Judith gegeben, denn das war das Mindeste. Und das war dann auch das Ende eines Wochenendes, das so schön hätte werden können. Die letzte HobbitCon überhaupt und ich habe sie verpasst. Nicht ein einziges Foto oder Autogramm habe ich mir zulegen können, nicht ein Panel habe ich besucht oder eine Party mitgenommen. So gerne wäre ich dabei gewesen, gerade weil es die letzte HobbitCon war, doch es sollte wohl nicht sein und da ich es ohnehin nicht mehr ändern kann, ziehe ich an der Stelle einen Schlussstrich bezüglich des Klagens. Es gibt nur wenige positive Dinge, die ich mitnehmen konnte und dazu gehört, dass ich nun weiß, wen ich "Freund" nennen kann und wen nicht. Wobei ich mir selbst da nicht sicher bin, denn ab wann gilt dieses Wort überhaupt? Ich weiß gar nicht, wie die Definition von Freund ist oder wann man so etwas sagen darf. Ehrlich gesagt habe ich mir darüber schon mein ganzes Leben lang den Kopf zerbrochen und ich denke, nach dem Wochenende nun verstanden zu haben.

Die letzte Con wird dies bestimmt nicht gewesen sein, auch wenn ich Anfangs der festen Überzeugung war, auf keine einzige mehr zu gehen. Irgendwann werde ich mich sicher nochmal dazu durchringen zu können, eine zu besuchen, allerdings nur, wenn jemand mitkommt, der mich nicht im Regen stehen lässt.

                                                                             

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